Ich möchte sein wie Du

 

Von R.S. Teichl vom 19.2.2021

 

 

 

Es ist Februar, der frostige Monat, in dem Schnee liegt. Die Luft ist erfüllt von rauer Kälte. Hin und wieder schafft es die Sonne durch den Wolken bedeckten Himmel eine Lücke zu finden, durch die sie ihre Strahlen zu Dir schickt. Die Wärme wirkt, in dem sie die Erde um Dich herum etwas aufweicht, vermute ich. Du nutzt die Chance und traust Dich wagemutig Deine Blätter aus dem Boden herauswachsen zu lassen. Eingebettet in dem grünen Schutz entwickelt sich Deine Blüte ganz langsam, zuerst als Knospe. Ich kann sie kaum erkennen, denn sie ist schneeweiß.

 

Später, wenn es etwas wärmer wird, öffnest Du sie und die drei inneren und drei äußeren Blütenblätter entwickeln sich. Es scheint als würden Glöckchen an Deinen Stielen hängen. Ich entdecke begeistert das zarte Grün in Herzform auf der Innenseite der kleineren weißen Blütenblätter. Wenn der Wind Dich leise hin und her wiegt, scheinst Du zaghaft mit den Glöckchen den Frühling einläuten zu wollen.

 

Obwohl Du alljährlich immer wieder mal eines „auf die Glocke“ bekommst, nämlich dann, wenn der Schnee Deine Blüten mit seinem kalten Teppich bedeckt, hältst Du durch. Du bist zierlich und wirkst durch Deine Zartheit zerbrechlich, aber Du strotzt dem winterlichen rauen Wetter.

 

Ich bewundere Dich. Manchmal möchte ich sein wie Du, liebes Schneeglöckchen. Nein, Deine Zierlichkeit ist es nicht, die ich möchte, obwohl ein paar Pfunde weniger…. Ich möchte wie Du durchhalten, wenn mir raue Winde und Schneemassen in Form von Kummer und Leid etwas anhaben wollen. Also wenn ich mal wieder etwas auf die „Glocke“ bekomme, werde ich an Dich denken, versprochen.

 

Vielleicht hilft es mir.“

 

Christel Parusel/Januar 2016

Wir schreiben jetzt das Jahr 2021 und befinden uns im Februar.
Täglich bekomme ich nachrichtenmäßig Corona bedingt „eines
auf die Glocke“ und ich denke wieder mal an Dich. Allerdings in den Wintermonaten davor war es Deine Freundin, die Christrose,
Dich mich mit ihrer zarten aber widerstandsfähigen Art tief
beeindruckt hat. Es ist wunderbar, dass es euch beide gibt.
Klar, könnt ihr den oder das Covidvirus nicht vertreiben, aber
ihr schafft es bei mir immer wieder, ihn oder es für einen ganz kurzen Moment zu vergessen.
Ich habe gestern gelesen, dass Du mit Kraft Deiner Zwiebeln, die Erde
zum Erwärmen und den Schnee um Dich herum damit zum Schmelzen
bringst. Welch zauberhafte Laune der Natur. Eine Eigenschaft, die sich für uns Menschen auch positiv auswirken könnte: Innere Wärme nach außen auf andere wirken lassen – so ganz ohne Zwiebel.
Schmunzelnd beende ich nun diesen Brief
und sage tschüss
bis zum nächsten Jahr

 

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