Ein persönlicher Trauerbrief

 



 

Liebe Christa!

 

Vor mit steht Dein Bild........ und auf der Rückseite, die für uns so traurige Nachricht von Deinem Ableben. Du hast es ja bei unseren letzten Telefonaten immer mal wieder gesagt und ungläubig haben wir es negiert, warst Du doch die fitteste und immer unternehmenslustigste unserer Gruppe, auch wenn es Dir in letzter Zeit nicht so besonders gut ging. Ines und ich können es immer noch nicht fassen und in Gedanken telefonieren wir immer noch miteinander. An Gesprächsthemen fehlte es uns ja nie. Nun bleibt uns nur noch Dein Bild, ich werde es einrahmen, und an viele schöne gemeinsame Unternehmungen dabei denken.

 

Fangen wir doch mit unserer Handelsschulzeit an. Wir waren eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe Teenager, die sich irgendwie im Laufe der Wochen zu einem harten Kern entwickelte, der auch nach den Schulstunden, Freizeit miteinander verbrachte. Fahrradtouren, Schwimmen, offenes Singen mit Herbert Rühl, die Klassenreise ins Sauerland, ja, wir hatten viel Spaß miteinander. Der Höhepunkt war unsere Theateraufführung von Moliere. Du warst "Der Geizige" und es war ganz schön aufregend bis alles klappte, die Kostüme passten und der Text saß. Dann waren die zwei Jahre vorbei, der Ernst des Lebens begann. Ich weiß nicht wann das Bild von Dir, das jetzt vor mit steht, aufgenommen wurde. Es zeigt eine unbeschwerte, etwas nachdenkliche Christa, vielleicht ein bisschen verträumt. Geträumt haben wir sicher alle, Träume kosten ja nichts, sie gehen höchstens an der Wirklichkeit kaputt, wenn sie sich nicht schon früher in Luft auflösen.

 

Auf jeden Fall: bereits am Tag unserer Abschiedsfeier von der Schule, trennten sich unsere Wege. Ich verlobte mich an noch an diesem Tag und war 6 Monate später auf einem Schiff nach Südamerika, eine Reise ins unbekannte Nichts. Auch Eure Wege trennten sich, Ines und Ingrid gingen ins Ausland als Aupair-Mädchen oder als Schiffbegleitung, Anita heiratete einen Spanier. Du bliebst erst einmal in Bergedorf, warst dann aber nach mir die Nächste, die eine Familie gründete und Kinder bekam.

 

Damit waren wir dann erst einmal beschäftig, die ersten Jahre sind immer schwer, man verlor sich mehr oder weniger aus den Augen und ich glaube das Leben hat einige von uns sehr geschliffen; die Unbeschwertheit unserer Teenagerzeit war vorbei und die Jahre haben bei jedem von uns ihre Spuren hinterlassen. Aber dann waren eines Tages die Kinder erwachsen, sie gestalteten ihr eignes Leben, wir hatten wieder mehr Zeit für alte Freundschaften. So wuchsen wir erneut zusammen, unsere Männer passten alle samt in unsere Gruppe und verstanden sich gut. Wir machten viele gemeinsame Ausflüge und Treffen, Feste und Geburtstage feierten wir zusammen, Grillabende, es war immer schön und harmonisch. Nun sind wir alt geworden, auch wenn wir uns nicht so fühlen und immer noch unternehmenslustig sind. Unser Kreis ist kleiner geworden, längst hat sich einer nach dem anderen verabschiedet, zuerst waren es unsere Männer, Du hast ja als treuen Vasallen Wolfgang in unsere Gruppe eingebracht, die er nun mehr fast 20 Jahre begleitet hat. Im vorigen Jahr hat uns Anneliese verlassen, auch das war schmerzlich........ Aber dass auch Du nun nicht mehr bei uns bist, wir können es immer noch nicht fassen und sind sehr traurig und fühlen uns verlassen.

 

Liebe Christa, wir hoffen, Du kannst nun ohne Schmerzen schlafen, träumen und auf unsere verrückte Erde hinabsehen.

 

Deine Freundinnen

 

Renate und Ines

 



 



 



 

Schreib. & Foto.Art

Patrizia Held M.A.

Elmshorn

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"Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Macht euch nur von dieser Anschauung los, und 1000 Möglichkeiten laden uns zu einem neuen Leben ein."

Christian Morgenstern

2020: Auf ein tolerantes Miteinander

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